Selbstverständlich setzt sich der Mittelstand intensiv mit den Folgen des Coronavirus auseinander und reagiert. Unten finden Sie Eindrücke, die ich in den letzten Wochen gesammelt habe.
Den aufziehenden Sturm erfassen Viele Mittelständler haben sich bereits zu Beginn der Coronakrise auf die komplett veränderte Rahmenbedingungen einstellen müssen. Ich habe mich in den letzten 3 Wochen mit Verantwortlichen unterhalten und unterschiedliche Konzepte zur Kenntnis nehmen können. Auch wenn die Herausforderungen nicht überall gleich waren, ist mir im Wesentlichen über ähnliche Lösungsansätze und -wege berichtet worden. Geschwindigkeit, Entschlossenheit und kurze Entscheidungswege sind natürlich große Pluspunkte des Mittelstands. Interne Strukturen schaffen („Business Continuity“) Im Fokus des Krisenmanagement stand im ersten Moment fast überall die interne Organisation. Der erste Zyklus hat sich auf die Stabilität konzentriert, um den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten und die Krise in beherrschbaren Grenzen halten zu können. Einige Unternehmen haben bereits ab Anfang März vorausschauende Pläne aufgestellt und insbesondere Ihre IT-Infrastruktur auf den Prüfstand gestellt. Gerade dort, wo Technologie eine entscheidende Rolle spielt, sind die Sicherstellung der Leistungsfähigkeit und der Schutz vor Angriffen aus dem Netz zentral. Aber auch auf ganz persönlicher Ebene beschert das Coronavirus, gelinde gesagt, Herausforderungen für den Alltagsbetrieb. So kann man zwar organisatorisch vorbeugen und sich um Beschäftigte kümmern, in erster Linie muss man aber im Moment entschlossen handeln und Charakter zeigen. In der Folge haben viele Firmen völlig neue Arbeitsweisen etabliert bzw. sind noch in Begriff, dies zu tun. Dabei war und ist es essentiell, sich um die Mitarbeiter zu kümmern. Der Fokus liegt auf Bewahren der Gesundheit, Betreuung von Kindern und das Sorgen für die Familie. Empathie und Flexibilität das Gebot der Stunde, damit die Mitarbeiter diesem Anspruch gerecht und gleichzeitig Ihre Arbeit wahrnehmen können. Konstruktive Mitwirkung aller Beteiligten ist in dieser Situation nötig. Eine Geschäftsführung muss eine einheitliche Sprache sprechen. Verwirrung führt zwangsläufig zu mehr Stress. Einfach nur Technologie zur Verfügung stellen reicht nicht. Homeoffice, Videokonferenzen und die Verwendung von Tools sind in kritischen Zeiten kein Ersatz für eine regelmäßige Information oder eine kurze persönliche Botschaft. Auch selbstverständlich erscheinende Maßnahmen sorgen für Vertrauen. Es gibt Unternehmen, die die Lohnbuchhaltung einem Stresstest unterzogen haben, damit sicherstellt ist, dass die Mitarbeiter zuverlässig bezahlt werden. Finde ich gut. Das Einrichten von Arbeitszonen, zwischen denen nicht gewechselt werden darf, schafft z.B. ein sichereres Arbeitsumfeld. Wenn jemand erkrankt, kann man schnell die betroffene Zone isolieren. Gemeinsam mit Kunden die Krise bewältigen Das derzeitige Krisenmanagement stellt eine noch nie dagewesene Belastung für die Unternehmen und es erfordert die Bereitschaft zur Solidarität. Allerdings erfolgt die Sicherung der Arbeitsplätze maßgeblich durch Festigung der Kundenbeziehungen. Dies gelingt indem der Kunden klar signalisiert bekommt, dass man seine Betreuung auch in einer Krise sicherstellt. Besonders entscheidend ist die Souveränität und Verbindlichkeit in der Kommunikation. Die Kunden wollen wissen, auf was sie sich einstellen können oder müssen. Grundsätzlich darf man den Kundenfokus nicht aus den Augen verlieren, indem man sich ausschließlich mit den eigenen Problemen auseinandersetzt. Kunden beobachten genau, wie sich Unternehmen in der Krise verhalten und ob sie gemachte Versprechen einhalten. Mir hat gestern ein Unternehmer, mit dem ich seit 10 Jahren zusammen arbeite, sehr nett und ausführlich begründet, dass er im Moment auch bei meinem gemeldeten Notfall für eine Reparatur der Warmwasserversorgung aus Kostengründen nicht mehr als 45 km Anfahrt in Kauf nehmen kann. Bei mir waren es 51 km und eine 6-köpfige Familie für 5 Tage mit kaltem Wasser. Alles klar. Das Fundament für „Morgen“ bauen Unternehmen denen es gelingt, Kernssyteme und den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, werden sich sowohl die Stärkung der Loyalität ihrer Mitarbeiter und der Kunden erarbeiten. Eine Geschäftsbeziehung beinhaltet immer eine Leistungserbringung, besteht aber auch aus Emotionen und verfestigt sich mit einem gemeinsamen Werteverständnis, welches wiederum Vertrauen schafft. Es zählt nicht nur der technologische Fortschritt. Der Mensch reagiert wie immer. Gleichermaßen ist es wichtig, den vor der Krise eingeschlagenen Kurs in den wesentlichen Punkten beizubehalten. Unter Stress bedient man sich gern alter Arbeitsweisen. Das schwächt das Vertrauen in zuvor getroffene Richtungsentscheidungen. Zick-Zack ist ein Ausdruck von Unsicherheit. Natürlich ist es erlaubt oder sogar geboten, Prioritäten neu zu sortieren und Ressourcen anders zu organisieren, um gezielt reagieren zu können. Nur Ausharren ist aber keine Antwort. Heute mit Bedacht zu agieren, gezielt zu kürzen (wenn nötig) und weitsichtig zu investieren verschafft Wettbewerbsvorteile für die Zukunft. Nächste Schritte für mich In meinem nächsten Beitrag werde ich versuchen, Aspekte und Ansätze zum Verständnis der „neuen Normalität“ aufzuzeigen. Ich habe auch vor, künftig über positive Beispiele aus meiner Umgebung zu berichten. Anregungen, Informationen und Tipps nehme ich gern über Messenger auf und versuche, sie einzubauen. Bitte über Messenger senden und hinzufügen ob ich namentlich erwähnen darf.